Der Heimat- und Museumsverein setzt sich für ein Beton-Relief aus dem Jahr 1968 an der Theodor-Gerhardt-Schule ein und stiftet eine Infotafel.
Es war kaum mehr beachtet, ist fast in Vergessenheit geraten und wird jetzt wieder nachdrücklich in Erinnerung gebracht. Am 16. April, dem 81. Jahrestag der Zerstörung Freudenstadts, wird mit einem offiziellen Akt das Betonkunstwerk an der Theodor-Gerhardt-Schule mit dem Titel „Zerstörung und Wiederaufbau von Freudenstadt“ öffentlich mit einer neuen Informationstafel vorgestellt. Dazu lädt Oberbürgermeister Adrian Sonder am Donnerstag, 16. April, um 17 Uhr an die Theodor-Schule ein. Um 18 Uhr folgt ein Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche (siehe Infokasten).



Das eindrückliche Kunstwerk ist mit Ausmaßen von 12 mal 6 Metern ein Teil der Beton-Außenfassade der Aula an der Theodor-Gerhardt-Schule. Maler, Grafiker und Mosaikleger Hermann Goppelt (1919 – 2004) hat es Ende der 60er-Jahre beim Bau der Schule geschaffen. Es zeigt unter angedeuteten Engelsschwingen teils gegenständlich, teils abstrakt vier Stationen aus der Geschichte Freudenstadts. Die Szenen sind zu deuten als die ursprünglichen Fachwerkbauten, die brennende Stadt, den Wiederaufbau als Wunder von Freudenstadt und die arbeitenden Handwerker beim Wiederaufbau.

Gerhard Wolf (von 1964 bis 1983 Bürgermeister in Freudenstadt) weihte das in schwieriger Technik geschaffene Kunstwerk – das Relief wurde gleichzeitig mit der Betonwand gegossen – im Jahr 1968 ein. Der Künstler Hermann Goppelt war spezialisiert auf Betongestaltung und hat im Raum Stuttgart zahlreiche Kunstwerke geschaffen, war gleichzeitig Kunstlehrer an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Trotz der stattlichen Ausmaße geriet seine Arbeit an der Gerhardt-Schule in fast völlige Vergessenheit, wird auch im Freudenstädter Führer „Kunst am Weg“ nicht erwähnt. Das lag vermutlich auch daran, dass ein Baum die Wand weitgehend verdeckte. Er wurde vergangenes Jahr entfernt.
Es ist Verdienst des Heimat- und Museumsvereins (HMV) für Stadt und Kreis Freudenstadt, der sich nach einer Anregung von Fabienne Janz von der Stadtverwaltung aufmachte, mehr über das Werk zu erfahren. Da beim Stadtarchiv nicht viel zu holen war, gingen Vorsitzender Reinhold Beck, Geschäftsführer Hans-Jürgen Schnurr und in erster Linie Vorstandsmitglied Nils Krieger, Autor des Buchs über Ludwig Schweizer, auf Spurensuche. Sie wurden in zahlreichen Gesprächen mit der Schule, mit ehemaligen Schülern, betagten Freudenstädtern und anderen Personen und Institutionen fündig. Allerdings nur zum Teil. In den Unterlagen des Stadtbauamtes fehlte die schriftliche Baugenehmigung, im Schulkeller fand Hausmeister Müller immerhin den Text der seinerzeitigen Eröffnungsrede von Bürgermeister Wolf. Auch daraus geht hervor, dass das Kunstwerk Bezug auf die Schule nehmen soll, die den Namen Gerhardts trägt. Damit wird Leben und Werk des evangelischen Dekans an der Stadtkirche, Theodor Gerhardt (1890 bis 1966), gewürdigt. Gerhardt habe „trotz tiefen persönlichen Leids in der zerstörten Stadt seine christliche Überzeugung in die Tat umgesetzt“, steht auf der neuen, vom Heimat- und Museumsverein gestifteten Informationstafel. Diese hat Mediendesignerin Heike Butschkus mit Texten von Nils Krieger gestaltet. Für Nils Krieger ist das heutige Wiederbeleben des künstlerischen Reliefs eine Bestätigung dafür, dass das bundesweite Programm „Kunst am Bau“ auch 1968, in Zeiten knapper Kassen, für öffentliche Bauvorhaben bis heute Verpflichtung ist, Sinn und Bedeutung hat.

Gedenkabend mit Gottesdienst
Der Auftakt des Gedenkabends bildet um 17 Uhr die Einweihung der Informationstafel des Betonreliefs „Zerstörung und Wiederaufbau von Freudenstadt“ an der Theodor-Gerhardt-Schule.
Im Anschluss beginnt um 18 Uhr ein Gottesdienst in der Stadtkirche zu dem Gedenken der Zerstörung von Freudenstadt. Der Gottesdienst wird ergänzt durch einen Vortrag von Kai-Michael Sprenger von der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“. Er spricht über “Die deutsch-französische Freundschaft – ein Erinnerungsort der Demokratiegeschichte?“ Anschließend ist Kranzniederlegung am Kreuz vor der Kirche.