Ungewöhnliche Ausstellung im Stadthaus durchaus ungewöhnlich geöffnet und eröffnet
Kunst und Kultur müssen nicht immer nur die großen Events sein, brauchen nicht immer volle Arenen und dichtbesetzte Kirchenschiffe. Kunst kann sich auch im Kleinen kreativ entfalten und im Stillen blühen.
Ein solches Beispiel gab es am Wochenende im Stadthaus. Dort präsentierte das Eduard-Hallberg-Institut Freudenstadt mithilfe des Heimat- und Museumsvereins für Stadt und Kreis Freudenstadt (HMV) nun zum wiederholten Male eine kleine, aber feine Bilderausstellung von fünf chinesischen Künstlerinnen und Künstlern. Sie alle haben in ihrer Heimat etwas zu sagen, ihr Ruf ist zum Teil bis nach Europa gedrungen. Die Ausstellung war nur an einem Samstagabend zu sehen, ihrer Eröffnung wurde ganz spontan und ohne festgeschriebenes Programm zu einem kleinen, fast intimen Kunstwerk. Es ergab sich einfach so.



Doch es begann wie gewohnt. Lisa Wang, Leiterin des Hallberg-Instituts, begrüßte in wohl gesetzten Worten die Gäste und kündigte Überraschungen an. Die erste waren die beiden Musikerinnen, die Schwestern Anait Shakhbazian am Klavier und Lusine Barsehian an der Flöte, akademisch ausgebildete Musikerinnen aus der Ukraine, die als Lehrerinnen im Kreis Freudenstadt arbeiten. Ihr perlendes, mitreißendes Zusammenspiel verriet hohes Können und Leidenschaft. Michael Krause, ehemals Kurdirektor in Freudenstadt, outete sich als dekorierter Kulturbotschafter der deutsch-chinesischen Freundschaft, die einst in Freudenstadt große Resonanz fand. Die „tolle Zusammenarbeit“ mit Heimatverein und Hallberg-Institut erlebe nun eine Art Wiederbelebung. Sie diene dem Bemühen, über Grenzen hinweg gegenseitiges Verständnis als Basis für Völkerverständigung zu schaffen. Die Ausstellung präsentiere interessante Arbeiten von außergewöhnlich talentierten und hoch dekorierten Künstlerinnen und Künstlern aus China.
Dann griff Krause zur Gitarre für die nächste Überraschung mit Liedern wie die Ode an die Freude, wie Udo Jügens „Was wirklich zählt auf dieser Welt“ oder wie das durchaus doppeldeutig gemeinte „Tut gut, wieder hier zu sein“, auch bekannt in der Hannes-Wader-Interpretation. Aber auch Michael Krause kann singen.
Das nächste Musikstück der beide Ukrainerinnen wurde in Bewegung umgesetzt. Cui Hong, eine der Künstlerinnen, Direktorin einer chinesischen Malschule und ausgebildete Ballett-Tänzerin, zeigte in einem phantastischen grünen Kleid einen klassischen chinesischen Ausdruckstanz. Davon angeregt, trat Shaoyue Wang, ein berühmter Kalligraph, auf die Bühne und deklamierte aus voller Brust im wohltönenden Bariton temperamentvoll ein chinesisches Gedicht. Auf seinen Wunsch hin untermalt am Klavier, wo auch Anait Shakhbazian das Gedicht zuvor wohl noch nie gehört hatte.
Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung überzeugte die Vielfalt an Stilen, Ausdrucksformen und fröhlichen Farben: Die fein ziselierten Gewänder der teetrinkenden Damen, das Gefieder von zierlichen Vögeln, das Rauschen von Schilf- und Bambuslandszenen oder bärbeißige Masken. Und da gab es ja noch eine Überraschung: Xia Wei, Professor einer chinesischen Universität, der sich im übrigen intensiv mit Kurt Breuer vom Freudenstädter Kunstkreis unterhielt, hatte mit Stiften und Farbe ein paar Freudenstädter Szenen gemalt. Darunter auch die Stadtkirche. Vermutlich das erste Stadtkirchenbild mit chinesischen Schriftzeichen.
Text und Fotos Hannes Kuhnert