Grüner Spitzenkandidat Cem Özdemir schlägt bei der Gartenschau im Tal X unbarmherzig zu

„Und ich kann hier wirklich nichts kaputt machen?“ erkundigte sich Cem Özdemir vorsichtshalber. Dann – als seine Frage verneint wurde – schlug er unbarmherzig zu. Der zwei Kilo schwere Hammer in seinen Händen traf ziemlich mittig den Kopf der Prägestation und so prägte sich der Spitzenkandidat der Grünen im Christophstal seinen eigenen Hirschgulden.

Am Samstagmorgen besuchte Cem Özdemir –  1965 in Bad Urach geboren –  die Gartenschau in Freudenstadt. Er war Bundesminister für Landwirtschaft sowie für Bildung und Forschung, außerdem  Bundesvorsitzender vom Bündnis 90/ Die Grünen. Er bewirbt sich  nun bei der Landtagswahl 2026 für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg und damit um die Nachfolge seines Parteifreundes Winfried Kretschmann.

Der Besuch im Schwarzwald war eine Station seiner Sommertour durch das Land, auf der er –  wie er sagt – vor allem zuhören wolle. Dazu nahm er sich im Tal X viel Zeit, sportlich mit grünem T-Shirt und Outdoor-Klamotten fürs Wandern ausstaffiert, an den Füßen feste Schuhe, denen man ansieht, dass sie in Gebrauch sind. Er hörte geduldig und konzentriert zu, was Bürgermeister, Offizielle und Fachleute ihm zu sagen hatten und fragte immer wieder nach. An der Gartenschau imponiere ihm vor allem die Gemeinsamkeit von Freudenstadt und Baiersbronn und die Tatsache, dass mit der Schau in beiden Gemeinden nachhaltige Werte für die Zukunft geschaffen würden, sagte er dem  Schwarzwälder Boten.

Özdemir hatte in Freudenstadt in der „Marktwirtschaft“ übernachtet und trat schon am frühen Morgen seine Tour an, begleitet unter anderen von Landtagsabgeordnetem Thomas Hentschel (Grüne) und Daniel Belling, Landtagskandidaten für den Wahlkreis Freudenstadt.

Sie begann imChristophstal in der alten Münze. An historischer Stätte unterhält dort der Heimat- und Museumsverein Freudenstadt (HMV)  während der Gartenschau eine Prägestation, an der sich Besucher Nachbildungen von Hirschgulden mit einem Hammerschlag prägen können. Diese hat sich zu einer der stark nachgefragten Attraktionen der Gartenschau entwickelt, wie Bürgermeister Fahrner lobte: „Eine geniale Idee“.

HMV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Schnurr erklärte den Gästen die  wechselvolle Geschichte der alten Münze  im Christophstal, wo bereits 1623 die später berühmt gewordenen Hirschgulden geprägt wurden aus dem Silber, das in  nahen Bergwerkstollen gewonnen worden war. Zuvor hatten Bürgermeister Wolfgang Fahrner und Gartenschau-Geschäftsführerin Cornelia Möhrlen die prominenten Gäste herzlich willkommen  geheißen.  „Der Landkreis Freudenstadt ist seit  dem 23. Mai in Bewegung“ schilderte Möhrlen die Gartenschau als ein Ereignis, das die Region belebe. Dies auch mit einem Dutzend exklusiver Bürgerprojekten, mit attraktiven Kooperationspartnern, mit Kirchen und Vereinen und vor allem mit  den 1100 ehrenamtlichen  Helferinnen und Helfern, die das Gemeinschaftswerk am Laufen halten.  Die digitale Zeitreise bei der Feilenhauerei, die Mustergärten des Landesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, die Präsentation von Forst BW,  die Fischzucht und abschließend die Fischerhütte waren weitere Stationen der Gäste. Ob er zu einem späteren Zeitpunkt auch den Baiersbronner Teil der Gartenschau besuchen werde, wollten wir wissen. „Das will ich doch stark hoffen“, meinte Özdemir  zuversichtlich und setzte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Schon wegen dem Essen“.

Fotos und Text Hannes Kuhnert