🎧 Julius Euting und der Mokka

Stell dir vor: Du wanderst durch den stillen Wald, die Sonne schimmert durch die Bäume, Moos duftet, Vögel zwitschern. Und dann… steigt dir der Duft von Kaffee in die Nase – stark, würzig, geheimnisvoll.

So eine Tasse war für Julius Euting kein gewöhnlicher Kaffee, sondern ein echtes Ritual.

Mokka – das ist eine ganz besondere Art, Kaffee zuzubereiten. Ohne Filter, direkt aufgekocht mit Wasser, in einer kleinen Kanne aus Metall, oft über offenem Feuer. Fein gemahlen, stark, manchmal mit Gewürzen wie Kardamom.

Euting hatte ihn auf seinen Reisen durch den Orient kennengelernt – und sofort ins Herz geschlossen. Für ihn war der Mokka ein Zeichen der Gastfreundschaft und Achtsamkeit. Man trinkt ihn nicht einfach – man nimmt sich Zeit dafür.

Und genau das wollte Euting weitergeben. In seinem Testament verfügte er, dass an seinem Geburtstag dem einsamen Wanderer am Rande des Wildsees eine Tasse Mokka, gebrüht auf offenem Feuer, gereicht werden soll.

Diese Geste ist bis heute lebendig: Jedes Jahr am 11. Juli, an seinem Geburtstag, wird dieser Wunsch erfüllt.
Am Rande des Wildsees, nahe seines Grabes, wird tatsächlich Mokka gekocht – über offenem Feuer – und an alle Gäste ausgeschenkt. Ganz so, wie Euting es sich gewünscht hat.

Vielleicht bist du eines Tages selbst dabei. Und wer weiß – vielleicht riechst du dann schon den Mokka.