Das viel bestaunte silberne „Posthörnle“ im Museum des Freudenstädter Heimat- und Museumsvereins (HMV) im Stadthaus wird in seiner sicheren Vitrine bald Gesellschaft bekommen. Es ist eine Jubiläumsmedaille aus dem 19. Jahrhundert. Etwa so groß wie das frühere Fünfmarkstück schimmert es höchst eindrucksvoll in mattem Silber. Beide, Posthorn und Medaille, haben eine gemeinsame Vergangenheit, sind ein Stück Freudenstädter Heimatgeschichte.

Es begab sich in alter Zeit, da schenkte am 20. Juni 1889 seine Majestät, König Karl Friedrich Alexander zu Württemberg, seinem Freund, dem Posthalter und Ökonom Ernst Heinrich Luz zu Freudenstadt, diese Medaille in Anerkennung seiner Verdienste. Die Medaille in Silber war gestiftet worden „zur Feier des Allerhöchsten 25jährigen Regierungsjubiläums“. Der Inhaber sei berechtig „sie in Gemäßheit des Königlichen Stiftungsdekrets anzulegen und an dem dafür bestimmten Band zu tragen“, wie es die Verleihungsurkunde, der von Ordenskanzler Mittnacht unterzeichneten Urkunde ausweist.
Die Medaille blieb in der Gastronomen-Familie Luz und überdauerte den Krieg. Die international gefeierte Opernsängerin Claire Fassbender-Luz (1917 bis 2016) schenkt die übergebene Medaille etwa ein Jahr vor ihrem Tod dem Freudenstädter Architekten Detlef Brückner. Es war ein persönliches Dankeschön an den Architekten, der in ihrem Auftrag einige Umbauarbeiten am Luz-Posthotel in Freudenstadt vorgenommen hatte. Claire Luz lebte seinerzeit mit ihrer Tochter Genia im Obergeschoss des Hotels.
In der Überzeugung, dass die Medaille der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, schenkte Brückner sie jetzt weiter an den Heimat- und Museumsverein. Dieser stellt sie zusammen mit dem Posthörnle in einer Vitrine des Heimatmuseums im Übergang vom Wiederaufbauzimmer zur Treppenhausgalerie aus. Das silberne Posthörnchen hatte König Karl als persönliches Geschenk an Posthalter Luz bei der Übergabe der Medaille ausgehändigt.


Auch dieses Posthörnchen hat seine Historie. Diese erzählte Claire Fassbender-Luz in ihrem 2010 erschienenen Buch „Geschichten aus dem Posthotel Freudenstadt“. Wir zitieren auszugsweise: „Es war die Schreckensnacht des 18. April 1945 (die Nacht der Zerstörung Freudenstadts (Anm. d. Red.). Das Hotel brannte. Alles rannte in Panik aus dem Haus. Aus dem Keller schleifte ich meine kleine Tochter Genia und den schweren Rucksack nach oben zum Ausgang. Aber es polterten laufend Dachziegel vom brennenden Dachgebälk hinunter (….). Mit dem Kind im Wägelchen musste ich fort, ich musste es wagen. Ein schwerer Schlag traf meinen Rucksack. So kam ich zum Waldeck. Als ich den Rucksack öffnete, lag obenauf das Posthörnchen. Ich konnte es kaum fassen, dass ich es mitnahm. Es war beschädigt, verletzt. Dann begriff ich, der Aufprall des Dachziegels hatte das Hörnchen getroffen. Das königliche Ehrenposthörnchen hat uns gerettet! Dankbar erinnere ich mich der glücklichen Fügung durch das wundersame, liebe Posthörnchen“.
Soweit aus dem Buch von Claire Fassbender-Luz. Noch zu Lebzeiten veranlasste sie, dass das silberne Posthorn nach ihrem Tod dem Heimat- und Museumsverein übergeben werde. Mit der Medaille also zwei Schenkungen an den HMV, der sich dafür herzlich bedankte. Vollkommen wäre die Präsentation im Museum, so wagt HMV-Geschäftsführer Hans-Jürgen-Schnurr anzumerken, wenn sich auch noch das Original der königlichen Verleihungsurkunde aus dem Jahr 1889 auftreiben ließe. Ein Foto davon ist noch im Buch von Claire Luz abgedruckt. „Vielleicht findet das Original ja doch noch den Weg ins Museum“, hofft Schnurr.
Die Erinnerung an die königliche Familie in Württemberg komplettiert eine weitere Silbermedaille aus dem Jahr 1819 in der Vitrine im Stadthaus. Sie zeigt die Frau von König Willhelm (Vater von König Karl), Königin Katharina Pawlowa Romanowa, Großfürstin von Russland (1788-1819). Sie gilt als soziale Pionierin, deren segensreiches Wirken bis heute reicht. Das Katharinenstift und das Katharinenhospital in Stuttgart sowie die Württembergische Landessparkasse gehen auf sie und ihre Initiativen zurück.
Text: H. Kuhnert