Ein edles Stück Stadtgeschichte funkelt im Stadthaus dem Besucher schon beim Betreten des Ludwig-Schweizer-Saals kupfern entgegen. In Vitrine 11, gleich gegenüber dem Treppenaufgang, ist eine Replik des Druckstocks zur Topographischen Karte Freudenstadt ausgestellt. Jetzt wurde sie dem Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt (HMV) übergeben.


Sie ist zugleich ein Stück Lebensgeschichte, meinte in einer kleinen Feierstunde zur Übergabe des Druckstocks Oberbürgermeister Adrian Sonder. Die attraktive Platte stammt aus dem Vermächtnis von Vermessungsrat Horst Bäuerle aus Freudenstadt, der im Dezember 2024 im Alter von 88 Jahren verstorben war. Er hatte noch zeitlebens bestimmt, dass dieser Druckstock nach seinem Tod dem Heimat- und Museumsverein anvertraut werden solle, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn die historische Platte war einst selbst ein Geschenk. Der damalige Innenminister Dietmar Schleh hatte sie Horst Bäuerle überreicht bei dessen Verabschiedung als Vorsitzender des Hautpersonalrats beim Innenministerium Baden-Württembergs und in Anerkennung seiner besondere Verdienste um das Vermessungswesen im Land.
Zur Feierstunde waren neben Sieglinde Bäuerle, der Witwe des Verstorbenen, und den Söhnen Hans-Jörg und Matthias auch Fabienne Janz von der Stadtverwaltung gekommen sowie Andreas Oeyenhausesn und Julian Gillich von der Leitung des Freudenstädter Vermessungsamtes. Kreisarchivar Louis-David Finkeldei ging kurz und knackig auf die lange Vermessungs-Tradition in Baden-Württemberg ein , die im 19. Jahrhundert erstmals systematische und einheitliche Kartenwerke einführte. Der kupferne Druckstock sei Grundlage der Karte 7516 Freudenstadt, vom „württembergischen topographischen Bureau“ auf Grundlage der Landesvermessung in den Jahren 1861 bis 1869 erstellt. Sie dokumentiere auch die damalige städtebauliche Struktur Freudenstadts.
Oberbürgermeister Adrian Sonder dankte der Familie Bäuerle. Es sei immer wieder ein schönes Zeichen, wenn Menschen öffentlich Verantwortung übernehmen und wie Horst Bäuerle Teile ihres Lebens der Stadtgemeinde widmen. Sonder erinnerte an die vielfachen Verdienste Horst Bäuerles für das Vermessungswesen und den Beamtenstatus in Land und Bund, für die er mehrfach ausgezeichnet worden war. „Er war sehr stolz, als er diese Platte geschenkt bekam“, ergänzte Sieglinde Bäuerle. Ihr Sohn Hans-Jörg erinnerte daran, dass es seinem Vater ein wichtiges Anliegen war, dass die Kupferplatte als Teil seiner Lebensgeschichte nach seinem Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Dafür dankte namens des Heimat- und Museumsvereins dessen Vorsitzender Reinhold Beck. Er steuerte dazu eine alte, auf Papier gedruckte Flurkarte Freudenstadts bei, die auf nachfolgenden Druckstöcken der kupfernen Platte erstellt worden war.
Text Hannes Kuhnert